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Unsere Sprache ist der perfekte Spiegel unserer Realitätswahrnehmung von Gesundheit

  • baranyiattila
  • 23. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Bei 33 Grad Hitze bin ich in den Abend gestartet, um den Tag mit einer lockeren 10-Kilometer-Runde uf dem Züribärg abzuschließen. Ohne Musik zu laufen, klingt im ersten Moment vielleicht höllisch langweilig. Ist es auch! Aber genau darin liegt der Reiz. Diese Monotonie, die pure Wiederholung und die Langeweile – was eigentlich ein massiver Dopaminentzug ist – hacken das Gehirn buchstäblich. Der präfrontale Kortex, der für logische, analytische Gedanken zuständig ist, schaltet in den Energiesparmodus, während das Ruhezustandsnetzwerk (Default Mode Network) die Kontrolle übernimmt. Die Dominanz der schnellen Beta-Wellen wird von entspannten Alpha- und Theta-Wellen abgelöst. Das System beginnt in diesem Moment, die im Hintergrund laufenden Informationen richtig zu verarbeiten und zu verknüpfen, was die Kreativität unglaublich befeuert.


Genau beim Laufen dachte ich über meinen nächsten Blogartikel nach – darüber, wie man den radikalen Unterschied zwischen der traditionellen Medizin und der Osteopathie am besten auf den Punkt bringt –, als mich eine seltsame Erkenntnis über unseren alltäglichen Sprachgebrauch traf.

Adott zwei Grundzustände: gesund und krank.

Wenn wir uns aus der Krankheit herausbewegen, sagen wir: wir heilen oder wir befinden uns im Heilungsprozess. Unsere Sprache beschreibt hier ganz klar einen zeitaufwendigen Prozess.

Wenn wir uns jedoch von der Gesundheit in Richtung Krankheit bewegen, verwendet die deutsche Sprache Ausdrücke wie erkranken oder krank werden. Die Vorsilbe er- bedeutet im Deutschen oft einen plötzlichen Eintritt in einen Zustand (wie bei erschrecken, erblinden oder ersticken). Es klingt wie ein abrupter Unfall.

Und wie unheimlich treffend spiegelt das unsere Realität wider! Unsere Sprache suggeriert, dass Krankheit ein unerwartetes, momentanes Ereignis ist, das uns einfach zustößt, während die Heilung ein mühsamer Prozess ist. Aus diesem Grund bemerken wir fast nie den leisen, unsichtbaren Prozess im Hintergrund, durch den wir unseren gesunden Zustand in Wahrheit langsam und unmerklich verlieren.

 
 
 

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